Weshalb sind Grundversorgungstarife so kostspielig?
Als Grundversorger gilt derjenige Stromanbieter, der in einer Region die größte Kundenzahl bedient. Die Bestimmung des Grundversorgers erfolgt in einem Rhythmus von drei Jahren. Gesetzlich sind diese Unternehmen verpflichtet, sämtliche Haushalte auch ohne bestehenden Vertrag mit Strom zu beliefern. Im Vergleich zeigt sich: Grundversorgungspreise liegen durchschnittlich mehr als 41 Prozent über den attraktivsten Tarifen konkurrierender Energieanbieter. Dabei müssen bei der Kalkulation der Preise umfangreiche gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. Obwohl Grundversorgern eine willkürliche Preisfestsetzung untersagt ist, existieren dennoch gewisse Gestaltungsspielräume. Faktoren wie Netznutzungsentgelte, die jeweilige Einkaufsstrategie, Risikoaufschläge sowie die regionale Wettbewerbslage treiben die Kosten zusätzlich in die Höhe.
Die Grundversorgung wurde ursprünglich als kurzfristiges Sicherheitsnetz konzipiert. Sie soll gewährleisten, dass Verbraucherinnen und Verbraucher bei einem Wohnortwechsel, Schwierigkeiten beim Tarifwechsel oder der Pleite eines Stromlieferanten nicht ohne Energieversorgung dastehen. Dieses Prinzip bietet Haushalten einerseits eine verlässliche Absicherung, birgt jedoch gleichzeitig einen entscheidenden Nachteil: Wer seinen Tarif nicht bewusst wechselt, landet automatisch in der Grundversorgung – und zahlt damit in aller Regel deutlich mehr als bei frei wählbaren Alternativen auf dem Energiemarkt.
Lohnt sich ein Wechsel des Stromtarifs tatsächlich?
Eindeutig ja. Der Wechsel-Ersparnis-Index zeigt nicht nur auf, in welchen Bundesländern und Postleitzahlgebieten ein Tarifwechsel besonders empfehlenswert ist – er belegt auch, dass sich ein Wechsel grundsätzlich immer rechnet, unabhängig davon, wie groß oder klein die mögliche Ersparnis ausfällt.
Viele Haushalte sind sich gar nicht bewusst, ob sie einen überhöhten Preis zahlen. Der deutsche Strommarkt ist zwar seit Jahren liberalisiert, dennoch bleibt die Bereitschaft zum Anbieterwechsel nach wie vor gering. Laut aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur befinden sich noch immer 23 Prozent aller Haushalte im Grundversorgungstarif. Auswertungen des Wechsel-Ersparnis-Index von Wechselpilot legen nahe, dass dadurch jährlich schätzungsweise 2,6 Milliarden Euro verschwendet werden – Beträge, die Verbraucherinnen und Verbraucher ohne jegliche Gegenleistung entrichten, einzig weil sie bislang keinen Tarifwechsel in die Wege geleitet haben.
Welches Problem löst der Wechsel-Ersparnis-Index?
„Das eigentliche Problem ist mangelnde Transparenz. Verbraucherinnen und Verbraucher haben kaum eine Möglichkeit einzuschätzen, ob und in welchem Ausmaß sie zu viel bezahlen. Genau hier setzt der Wechsel-Ersparnis-Index (WEX) an: Er macht auf einen Blick deutlich, in welchem Bundesland, welcher Region und bei welchem Energieversorger die Preisaufschläge am stärksten ausfallen. Es handelt sich dabei nicht um ein klassisches Vergleichsportal, sondern um einen echten Marktindikator.“ – Maximilian Both, Co-Gründer und Geschäftsführer von Wechselpilot.
Die zugrundeliegenden Daten sprechen eine klare Sprache: Bei 88 Prozent aller untersuchten Grundversorger liegt der Tarif mehr als 30 Prozent über dem günstigsten verfügbaren Alternativangebot im jeweiligen Versorgungsgebiet. Dieses Phänomen ist alles andere als eine Ausnahme.
Der WEX verfolgt das Ziel, spürbaren Wettbewerbsdruck in den Energiemarkt zu bringen. Sobald Medienschaffende, Verbraucherschutzorganisationen und politische Entscheidungsträger auf Abruf erkennen können, welcher Versorger in welcher Region die höchsten Aufschläge erhebt, entsteht ein wirksamer Mechanismus der Rechenschaftspflicht – gegenüber Anbietern, die möglicherweise kartellrechtlich bedenkliche Preisgestaltungen gemäß § 19 GWB praktizieren, und gegenüber Verbrauchern, die erstmals belastbare Zahlen für ihre konkrete Region einsehen können.