Wahr oder falsch? 8 Mythen über erneuerbare Energien aufgeklärt

Wahr oder falsch? - 8 Mythen über erneuerbare Energien aufgeklärt

Die Energiewende beschreibt den Übergang von fossilen Brennstoffen hin zu nachhaltigen Quellen wie Solar-, Wind-, Wasser- und Bioenergie. Ziel ist es, das Klima zu entlasten, die Stabilität der Energieversorgung zu gewährleisten und Innovationen im Technologiesektor voranzutreiben. Trotzdem kursieren zahlreiche Missverständnisse und falsche Annahmen über erneuerbare Energien sowie ihre Auswirkungen auf Umwelt und Verbraucher. Viele dieser Aussagen enthalten zwar einen kleinen Funken Wahrheit oder beruhen auf selektiv dargestellten Informationen, werden aber häufig verzerrt weitergegeben. Daher ist es nachvollziehbar, dass sich bestimmte Fehlbehauptungen lange halten. In diesem Beitrag klären wir 8 bekannte Mythen auf.

1. Mythos – Wärmepumpen verbrauchen viel Strom

Wärmepumpen werden häufig fälschlicherweise als enorme Stromverbraucher dargestellt – vor allem, weil ihr Energiebedarf sichtbarer wirkt als der von Öl- oder Gasheizungen und vielen Menschen ihre hohe Leistungsfähigkeit unbekannt ist. Tatsächlich verhält es sich genau andersherum: Sie arbeiten erheblich kostengünstiger als fossile Heizsysteme. Moderne Modelle können aus 1 kWh Strom bis zu 4 kWh nutzbare Wärmeenergie erzeugen.

Seit 2024 gilt für Neubauten die Vorgabe, dass mindestens 65 % der Heizenergie aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Wärmepumpen sind dabei die bevorzugte Technik, da sie selbst bei Temperaturen von minus 20 °C zuverlässig laufen und im Durchschnitt jährlich rund 900 Euro Heizkosten einsparen. Eine Reform des Gesetzes durch die schwarz-rote Koalition könnte dies nun aber ändern.

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Kurz zusammengefasst:

  • Im Jahr 2023 nutzten 76 % aller neuen Wohngebäude in Deutschland eine Wärmepumpe
  • Aus 1 kWh elektrischer Energie entstehen 4 kWh Wärme
  • Jährliche Einsparungen betragen etwa 900 Euro beziehungsweise etwa 41 % der Heizkosten
  • Zwar liegen die Anschaffungskosten höher, doch der laufende Betrieb ist deutlich günstiger
  • Förderprogramme des Staates ermöglichen Zuschüsse von bis zu 70 %.
Mythen der Energiewende erklärt

2. Mythos – Wasserstoff löst alle Probleme

Wasserstoff spielt zwar eine bedeutende Rolle im künftigen Energiesystem, ist jedoch für alltägliche Zwecke viel zu kostbar. Die Anpassung vorhandener Gasinfrastruktur auf Wasserstoffbetrieb ist komplex, teuer und mit erheblichen Risiken verbunden. Das Gas kann ältere Leitungen spröde werden lassen und macht zusätzliche, speziell ausgelegte Ventile sowie deutlich leistungsfähigere Verdichter notwendig.

Zudem erfordert die Produktion von grünem Wasserstoff große Mengen Energie. Für Bereiche wie das Beheizen von Wohnhäusern oder den Betrieb von Pkw ist er daher wenig effizient und sehr kostspielig. Eine Wärmepumpe benötigt beispielsweise nur ein Fünftel der elektrischen Energie einer Wasserstoffheizung und macht zugleich unabhängiger von Lieferimporten. Trotzdem bleibt Wasserstoff essenziell für verschiedene industrielle Prozesse – etwa zum Betreiben von Hochtemperaturöfen, in der chemischen Industrie, in Raffinerien und sogar beim Raketenstart.

3. Mythos – Windkraftanlagen verursachen Vogelsterben

Nach Angaben des NABU kommen pro Jahr rund 100.000 Vögel durch Windkraftanlagen ums Leben. Verglichen mit anderen Ursachen ist dieser Wert jedoch relativ niedrig. An Glasscheiben verunglücken jährlich etwa 115 Millionen Tiere, Hauskatzen töten 20 bis 100 Millionen Vögel, und im Auto- und Bahnverkehr sterben ungefähr 70 Millionen pro Jahr. Weitere Gefahren sind Stromleitungen sowie der Verlust natürlicher Lebensräume – auch diese verursachen weit mehr Opfer als Windkraftanlagen.

Trotzdem arbeitet die Windenergiebranche kontinuierlich daran, das Risiko für Tiere weiter zu verringern. Moderne Systeme können Anlagen etwa automatisch abschalten, sobald sich geschützte Vogelarten nähern. Zudem leistet die Windenergie einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende, was langfristig dabei hilft, Lebensräume vieler Arten zu erhalten.

4. Mythos – Die Atomkraft kommt zurück

Der weltweite Anteil von Kernenergie an der Stromerzeugung ging seit 1996 deutlich zurück – von rund 17,5 % auf nur noch 9,2 % im Jahr 2023. Weltweit verliert die Kernenergie an Bedeutung, nur China bildet eine Ausnahme. Dort entstehen derzeit 32 neue Atomreaktoren, mehr als in allen anderen Ländern zusammen (Stand: 2025). Dennoch wächst der Ausbau erneuerbarer Energien auch in China deutlich schneller als der der Kernkraft. Ein Grund dafür sind die hohen Kosten, die Atomstrom verursacht. Allein in der EU müssen bis 2030 ungefähr 50 Milliarden Euro in die Instandhaltung älterer Anlagen investiert werden, hinzu kommen rund 500 Milliarden Euro für geplante Reaktorprojekte. Ohne massive Unterstützung vom Staat ist Kernenergie daher ökonomisch kaum wettbewerbsfähig. Neue Anlagen entstehen in Europa meist nur dank hoher Subventionen und können preislich weder mit Solar- noch mit Windkraft mithalten.

Auch die Behauptung, Deutschland sei seit dem Ausstieg aus der Atomkraft auf Atomstromimporte angewiesen, trifft nicht zu. Deutschland ist in der Lage, seinen Energiebedarf eigenständig zu decken. So gab es auch im Jahr  2025 keine Gefahr von Versorgungsengpässen.

5. Mythos – Die Energiewende macht die Stromversorgung unsicher

Entgegen oft verbreiteten Behauptungen zählt das deutsche Stromnetz auch mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energiequellen weiterhin zu den zuverlässigsten weltweit. Selbst während sogenannter „Dunkelflauten“, in denen Wind und Sonne kaum Energie liefern, sichern Reservekraftwerke sowie die enge Einbindung in das europäische Stromverbundsystem die Versorgung. In Zeiten geringer Einspeisung von Wind- und Solarstrom importiert Deutschland außerdem Energie aus Nachbarländern – vor allem aus Kostengründen, nicht wegen fehlender eigener Kraftwerkskapazitäten.

Damit auch längere Flauten oder künftige Extremwetterereignisse ohne fossile Kraftwerke bewältigt werden können, ist ein konsequenter weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien notwendig. Bioenergieanlagen, Pumpspeicherwerke, Laufwasserkraftwerke sowie moderne Batteriespeicher bieten klimafreundliche Möglichkeiten, solche Phasen zu überbrücken – und können gleichzeitig dazu beitragen, die Strompreise für den Verbraucher zu senken.

6. Mythos – Erneuerbare Energien sind teuer

Windkraft und Solarstrom gehören mittlerweile weltweit zu den preiswertesten und klimafreundlichsten Formen der Energieerzeugung:

  • Photovoltaik/Solarstrom: 4,1 bis 14,4 Cent pro kWh
  • Windenergie an Land: 4,3 bis 9,2 Cent pro kWh
  • Windkraft auf See: 5,5 bis 10,3 Cent pro kWh
  • Kernkraftwerke: 13,6 bis 49 Cent pro kWh

Warum steigen die Strompreise trotzdem? Verantwortlich ist das sogenannte Merit-Order-System: Der Preis der Strombörse ist abhängig vom teuersten Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs noch benötigt wird – und das sind meist Anlagen, die mit Kohle oder Gas betrieben werden. In Krisenphasen, zum Beispiel als Russland die Ukraine angriff, führte der drastisch teurere Gaspreis daher zu deutlich höheren Stromkosten. Die erneuerbaren Energien selbst treiben die Preise also nicht nach oben. Im Gegenteil: Sie senken langfristig die Gesamtkosten des Stromsystems.

7. Mythos – Den Klimawandel gibt es nicht

Stürme, Dürren, Hitzewellen und starke Regenfälle – all diese Extremereignisse nehmen zu. Untersuchungen belegen, dass Phänomene wie die Hitze im Jahr 2023 und andere extreme Wetterlagen direkte Konsequenzen der globalen Erwärmung sind. Hauptverursacher der aktuellen Erderwärmung ist die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl, weshalb der Klimawandel eindeutig menschengemacht ist.

Die CO₂-Konzentration der Atmosphäre steigt weiterhin stark an, und die Erdtemperatur nimmt zu. Im Jahr 2024 wurde erstmals die kritische Grenze von 1,5 Grad Celsius überschritten – die Durchschnittstemperatur auf der Erde ist also seit der Industrialisierung um diese Höhe gestiegen ist. Diese Marke gilt als entscheidender Wendepunkt, da die Wahrscheinlichkeit für schwere Folgen der Erderwärmung ab diesem Punkt deutlich zunimmt.

8. Mythos – Klimaschutz kostet viel Geld

Ja, Maßnahmen zum Klimaschutz erfordern Investitionen. Doch das Unterlassen von Maßnahmen wäre langfristig deutlich teurer. Projekte wie die Installation von Wärmepumpen oder die Umstellung industrieller Prozesse sind notwendig und rentieren sich über die Zeit. Die wirtschaftlichen Folgen von Extremwetterereignissen kosten die Gesellschaft weltweit bereits heute jährlich hunderte Milliarden Dollar. Allein die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 führte zu Schäden von etwa 40 Milliarden Euro.

Darüber hinaus entstehen durch Klimaschutzmaßnahmen neue Beschäftigungsmöglichkeiten. In fossilen Sektoren gehen zwar Arbeitsplätze verloren, dafür entstehen in den Bereichen erneuerbare Energien und Green-Tech zahlreiche neue Jobs. Im Jahr 2022 waren in Deutschland schon rund 388.000 Menschen in der Energiewende tätig.

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